Pädagogik im Kindergarten

In unserem Kindergarten leben und arbeiten wir nach der Waldorfpädagogik, die ganz unterschiedlich und individuell gestaltet werden kann.
Unser Tagesablauf beginnt zuerst mit einer freien Spielzeit für die Kinder. Im Gruppenraum können alle Spielgegenstände, auch Tische und Stühle, für jede phantasievolle Spielidee verwendet werden. Dabei kommen die Naturmaterialien, wie Holzklötze, Steine, Tannenzapfen, Kastanien, Tücher, Wolle, Puppen, Kissen und vieles mehr zu vollem Einsatz. Von den Kindern werden diese Spielgegenstände zu den vielfältigsten Ideen eingesetzt. Jeder Gegenstand kann zu dem werden, was die Phantasie sich wünscht. So werden Tische und Stühle zur Eisenbahn umgebaut, mit der alle Freunde in den Urlaub fahren, die Holzspielständer werden zur Feuerwehr umfunktioniert und die Filzschnüre zum Feuerwehrschlauch, die Kastanien werden für die Suppe gebraucht oder die Tücher für die schönen Kleider einer Prinzessin gebunden. Die eigene Individualität und die Phantasie können sich hier entfalten.
Dieses freie Spielen unter Gleichaltrigen ist von elementarer Bedeutung in der Entwicklung eines jeden Menschen. Erfahrungen und Erlebnisse werden beim Spielen nachgeahmt und verarbeitet. Es ist für ein Kind wirkliche Arbeit, denn hier kann es sich vorbereiten, üben und sich erproben für das spätere, selbstständige Leben. Im Spiel macht es seine Welterfahrungen in naturgesetzlichen Zusammenhängen und in den Lebenskompetenzen, wie beispielsweise Sozialkompetenz, Kommunikation und Sprache, Sinnes- und Wahrnehmungskompetenz oder Körper- und Bewegungskompetenz.
Beim Spielen sind wir begleitend und unterstützend dabei. Wir helfen mit, wenn etwas nicht gelingen will, wir vermitteln, wenn sich die Kinder uneinig sind, wir trösten, wenn es Tränen gibt oder fahren einfach mal mit der Eisenbahn in den Urlaub, wenn wir dazu eingeladen werden.

In den ersten sieben Lebensjahren bringt jedes Kind die Fähigkeit mit, die Welt kennenlernen zu wollen und dabei vor allem selbst tätig zu sein. Dabei ist das Kind ganz offen und hingegeben an die Menschen und seine Umgebung.
Das kleine Kind lernt, indem es nachahmt. Es möchte tun, was wir tun. Es möchte spielen. Hier erlebt das Kind die Vorgänge unserer Welt und entwickelt ein Verständnis dafür.
Der Erwachsene ist das Vorbild für das nachahmende Kind. Deshalb ist die Atmosphäre, innere Haltung und Gesinnung der Erwachsenen von so großer Bedeutung. Somit begleiten wir in liebevoller Hingabe und mit Freude und Interesse unseren Alltag mit sinnvollen Arbeiten, wie beispielsweise hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, Gemüse anbauen, Getreide ernten, Brot backen, etc., bei denen die Kinder mit uns tätig sein können.

Ein rhythmisch gegliederter Tagesablauf gibt den Kindern einen sicheren Rahmen.
Nach der ersten ausgiebigen freien Spielzeit kommen wir in einem Morgenkreis zusammen. Als Ritual sprechen wir nun einen Morgenspruch und spielen ein gemeinsames Spiel. Anschließend frühstücken wir gemeinsam das Essen, welches wir am Morgen in der Gruppe zusammen zubereitet haben.
Nach dem Frühstück gehen wir hinaus in den Garten oder den angrenzenden Wald. Die Kinder gehen wieder ins freie Spielen miteinander und erkunden die Natur. Staunend und mit viel Freude wird dabei der Reichtum der Erde entdeckt.
Zum Abschluss gibt es im Gruppenraum einen Erzählkreis und es wird von der Erzieherin ein Märchen erzählt oder ein Tischtheater vorgespielt.
So stehen das freie Spielen und die geführten Phasen in einem lebendigen Wechsel miteinander. Durch die verlässlich wiederkehrenden Tages-, Wochen- und Jahresrhythmen bekommen die Kinder innere Sicherheit und fühlen sich geborgen und gut aufgehoben. Für die Kinder entsteht dabei die Möglichkeit eigenaktiv und selbstständig die Welt zu ergreifen und in den Geschehnissen mitzugehen. In dem Erleben „ich weiß das“ und „ich kann das“ haben die Kinder eine positive Haltung zu sich selbst und ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt.

Auch an bestimmten Wochentagen gibt es wiederkehrende Besonderheiten, wie beispielsweise Aquarellfarben malen, Bienenwachs kneten, Brötchen backen oder Eurythmie. Diese Wiederholungen, vollzogen mit liebgewordenen Ritualen, steigern bei den Kindern die Vorfreude auf das Kommende.
Unsere Tagesabläufe und Tätigkeiten begleiten wir mit Liedern, Sprüchen, Reimen, Spielen und Geschichten. Diese werden passend zur Jahreszeit und den christlichen Jahresfesten gewählt, so dass der Jahreslauf bildhaft und spielerisch für die Kinder erlebbar gemacht wird.

Wir gehen täglich hinaus in den Garten oder den angrenzenden Wald. Besonders das Erleben der Elemente begeistert unsere Kinder sehr. Mit ausdauernder Hingabe wird in der Erde gegraben, Lehmfiguren werden plastiziert, Wasserläufe mit Staudämmen umgestaltet, aus Baumstämmen werden Wippen gebaut, Blumenkränze werden geflochten und vieles mehr. Im Verstecken, Fangen oder Seilspringen erproben sich die Kinder voller Hingabe. Gerade die Natur bietet einen Reichtum an Sinneserfahrungen und Bewegungsmöglichkeiten. Ein fröhliches Gemüt und ausgelassene Heiterkeit stellen sich bei den Kindern nach solchen intensiven Naturerlebnissen ein.

Die Entwicklung eines gesunden Leibes ist in den ersten sieben Lebensjahren die wichtigste Grundlage zum individuellen Erwachsenwerden. Für den kleinen Organismus ist die Wahrnehmung und die Bewegung entscheidend für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung, da sie die Voraussetzungen sind für die Entwicklung unserer Denkkräfte. Denn die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn finden nur durch Selbsttun statt. Werden Sinne, Wahrnehmung und Bewegung gesund entwickelt, kann die Freude am Lernen geweckt werden und der Intellekt kann wachsen.

In unserem Waldorfkindergarten stehen die Eltern und Pädagogen sich gegenseitig unterstützend zur Seite. So kümmern sich auch Eltern im Trägerverein mit um die rechtlich-wirtschaftlichen und sozialen Belange. Als Gemeinschaft feiern wir gerne so manches Fest und legen auch gemeinsam mit Hand an, wenn es um die Verschönerung oder Erhaltung von Haus und Garten geht. Elternabende und individuelle Gespräche unterstützen das Miteinander in der Erziehung des Kindes.

Wir haben dem Kinde zu geben, was es zum Lernen braucht,

nicht aber dürfen wir es unter Zwang setzen, um es nach unserem Bilde zu formen,

sondern wir müssen ihm eine Freiheit in der Entwicklung lassen und sie achten.“

 

Rudolf Steiner